Oswald Oberhuber
Fuer Gerold Hirn

Ungegenstaendliche Kunst ist nur dann fassbar, erlebbar und wirksam zum Ausdruck zu bringen, wenn entweder eine theoretische Vorlage existiert oder sich ein naturhafter Vorgang in den bildhaften Aussagen etabliert. Trotzdem eine allgemeine Ideologisierung nicht mehr moeglich ist, ist das Diktat eines bewussten Aussagezwanges weiterhin von Bedeutung, denn ohne den Hintergrund eines theoretischen Fundaments haben kuenstlerische Ablaeufe keinen Wert. Das ist eine Problematik, die heute allgemein sichtbar wird. Die "-ismen" sterben dahin und jeder trauert diesen Moeglichkeiten nach. Gerold Hirn ist einer jener Kuenstler, die sich ihrer Sprache in der Form hingeben, dass sie nicht nur experimentell jede Art von Moeglichkeit aufgreifen und zur Darstellung bringen, sondern auch in einer ueberlegenen Vorgangsweise eine bildbeherrschende Formulierung erarbeiten. Diese Komplexitaet einer Bilderstellung entsteht aus einer klaren Vorstellung, die manipuliert wird durch die Einbeziehung einer sich aus realen Gegenstaenden ergebenden Fiktion, wobei das Motiv als elementares Ereignis eingesetzt wird und sofort in der Erstellung die reale Sichtbarkeit verliert, sodass das sogenannte textile Vorbild entweder als Abklatsch sich wiedergibt oder nur in einer Art begrenzten Sichtbarkeit sich zeigt. Das waere ein Arbeitsprozess, der sich aus sich selber erklaert, aber nicht unbedingt notwendig ist, um ein Bild begreifbar zu machen und ist nur eine Zielsetzung von vielen angestrebten Vorgaengen. Hirn erklaert sich als zu expressiv, trotzdem das Expressive keine Sichtbarmachung ermoeglicht, sind doch diese Aussagen meistens unbeabsichtigt und nur aus einer Gefuehlslage heraus verstaendlich. Diese Eingrenzung waere zu wenig und erfuellt einen zu geringen Zweck. Darum bleibt weiterhin die Absicht, etwas zu wollen im Vordergrund und ergibt im Endeffekt erst jene Zielsetzung, die mehr ist als nur ein Bild. Das Erahnen und Erfuehlen, die Iyrische Empfindlichkeit, man koennte das umschreiben als eine Art Durchfuehrungspflicht in dieser Phase der Kunstaeusserungen. Darin liegt die Zukunft und Gerold Hirns Kunst verfolgt diesen Weg.

Oswald Oberhuber, Maler, Sänger, Bildhauer, Grafiker, Dichter, Journalist, Galerist, Modeschöpfer, zuletzt Rektor der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien und ist immer noch in permanenter Veränderung, lebt in Wien.

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